Berufs- und andere private Technikgeschichten

An dieser Stelle finden sich Anekdoten und Erlebnisse aus meinem Berufsleben. Aber auch private Erfahrungen mit unterschiedlichen Techniken habe ich hier ausgehängt.

Ein Thema in meiner Lehrzeit (1965 bis 1968) waren lange Haare. Aus heutiger Sicht zum Schmunzeln, da damals “lang” nicht die gleiche Bedeutung hatte wie heute. Dem Lehrmeister war das Haar ein Dorn im Auge und versuchte, die betroffenen Lehrlinge lächerlich zu machen. So bekamen wir Hauben zunächst von den Angestellten aus der Kantine, was tatsächlich albern aussah. Während dieser Zeit waren ein Kollege und ich – beide langhaarig – in der Stanzerei tätig, wo ein solcher Haarschutz eigentlich überflüssig war. Mein Lehrkollege nahm daher seine Haube ab. Natürlich tauchte an diesem Tag der Lehrmeister zur Kontrolle auf. Da das ganze Prozedere der "Bekämpfung" von langen Haaren in der Firma nicht überall ernst genommen wurde, verwundert es nicht, dass der kahlköpfige Abteilungsleiter den Lehrmeister fragte, ob auch er eine Haube tragen soll .
In der Lehrwerkstatt wurden zunächst die Fein- und E-Mechaniker gemeinsam ausgebildet, bevor dann ab dem 2.Lehrjahr die Ausbildung in den diversen Abteilungen erfolgte. Spätestens ab dem Zeitpunkt wurde aus den beiden Gruppen Komkurrenten.
Das mündete darin, dass die Feinmechaniker den E-Mechanikern die Werkzeugkisten zulöteten. E-Mechaniker sind aber nicht nachtragend, daher streckten sie den Feinmechanikern die Hand aus — dass sich darin ein auf etwa 300 V aufgeladener Kondensator befand, merkten die Feinmechaniker allerdings sehr schnell .
Diskretion - Während meiner Lehrzeit fiel mir etwas auf, nach dem ich meinen Ausbilder fragte. Er schaute mir tief in die Augen und fragte: Kannst du schweigen? Beeindruckt von diesem Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, antwortete ich natürlich Ja! Nicht erwartet hatte ich allerdings die Antwort Ich auch! Das war allerdings für mich die Lehre, nicht alles, was man weiß, auch sogleich auszuposaunen.

Der Wehrdienst in der Bundeswehr dauerte damals (1968) 1½ Jahre – W18 war der Begriff dafür. Im weitesten Sinne gehört diese Zeit auch zu meinem Berufsweg, daher eine kleine Anekdote:
Während einer Sanitätsübung waren auch vier Feldwebel von unterschiedlichen Einheiten anwesend, die sich durch diverse Lehrgänge sehr gut kennengelernt hatten. Die Übung des Tages bestand darin, einen Verwundeten aus einem Panzer zu retten und mit einer Bahre zum Sammelplatz zu bringen.
Der gerettete Feldwebel wurde von seinen Kameraden also aus dem Panzer gerettet, auf die Bahre gelegt und für den Transport mit Gurten gesichert.
Auf dem Weg zum Sammelpunkt ertönte das Kommando: "Regen!", woraufhin die beiden Träger die Bahre so drehten, dass der Feldwebel an der Bahre hing. Das nächste Kommando lautetet: "Artilleriebeschuss!", woraufhin die beiden Träger die Bahre fallen ließen und der "Verwundete" mit dem Bauch unsanft auf dem Boden landete .

Meine erste Begegnung mit einem Computer war während des Studiums an der Fachhochschule. Das war eine legendäre Zuse Z23, die ich allerdings nicht zu schätzen wusste, was an der umständlichen Handhabung der ALGOL-Programmierung lag. Damals schwor ich: "Ich will nie etwas mit Computern zu tun haben!".

Nach dem Studium suchte ich über das Arbeitsamt einen Anstellung. Woche für Woche ohne Erfolg, bis der Berufsberater mich fragte: "Vestehen Sie etwas von Computern?". Heute eine ungewöhnliche Frage, damals, Mitte der 1970er Jahre, jedoch nicht.
Der Job bestand darin, zwei Rechner mit einer selbst entwickelten Hardware zu verbinden. Dieser Teil war einfach, aber wegen meiner Abneigung gegenüber Computern fiel es mir schwer, Programme auf Assember-Ebene zu schreiben. Zwar war das Handbuch sehr gut, aber den Begriff "Interrupt" hatte ich völlig missverstanden, denn ich wollte ja keine Unterbrechung. Auch erste Schritte im Einsatz von TTL-Schaltkreisen machte ich hier, was als Grundlage für meinen zweiten Job hilfreich war. Die Programmierung erfolgte über Tasten, über die ein Bootstrap Loader aufgerufen wurde, der wiederum ein Tape einlas, wodurch der Rechner eingabebereit war. Natürlich ließen sich auch im hexadezimalen Format kleine Programme direkt in den Speicher schreiben. Mein "Durchbruch" war, als ich es schaffte, die angeschlossene Teletype unkontrolliert zum Rattern zu bringen.

Eine gute Gelegenheit, Aufräumarbeiten in einem Maschinensaal durchzuführen, ist, wenn sich alle Mitarbeiter zu einer Versammlung in einem Seminarraum treffen. Gesagt, getan und mit zwei studentischen Hilfskräften wurde der Doppelboden geöffnet. Dumm gelaufen nur, wenn genau über der Platte, die wir herausnahmen, ein Feuermelder hängt. Dummerweise wirbelte die Klimaanlage den Staub zum Melder, so dass dieser auslöste. Durch den damit verbundenen Feuerwehreinsatz wurde das Mitarbeitertreffen jäh beendet.

Kommunikation mit Relais. Weil mein erster Job zeitlich begrenzt war und mir kein Labor zur Verfügung stand, musste ich für den Einkauf elektronischer Bauteile zu den entsprechenden Läden fahren. Wartung

In meinem zweiten Job konnte ich auf die Erfahrung mit TTL-Schaltkreisen zurückgreifen. Mein erstes Design, das aus einer Unzahl von Schaltkreisen bestand, die mit der "Wire Wrap"-Technik verbunden waren, löste sich allerdings in Wohlgefalln auf. Sowas passiert, wenn die Polarität der Versorgungsspannung vertauscht wird. Interessant waren die dadurch herausgesprengten "Krater" aus vielen TTL-Bausteinen...

Zitronenfalter und Gruppenleiter. Ein Gruppenleiter muss nicht alles können und wissen, dafür hat er seine Gruppe, an die Aufgaben delegiert werden. Manche überschätzen sich leider. So ein solcher Leiter las in der damals sehr bekannten Fachzeitschrift "Elektronik" (Franzis-Verlag) einen grundlegenden Artikel über eine elektronische Steuerung für sein Metier. Die Zeitschrift veröffentlichte aber keine kompletten Schaltungen, sondern lediglich Blockschaltungen mit den entsprechenden Beschreibungen. Aus diesem Entwurf entwickelte er eine Detailschaltung, die er seinen Technikern zur Anfertigung übergab. Diese erkannten sofort, dass die Schaltung nicht funktionieren konnte und entwickelten daher eine funktionierende Elektronik.
Einige Zeit später kam der Leiter, sah, was seine Mitarbeiter "angerichtet" hatten, brüllte, wieso man seinen Anweisungen nicht Folge leiste und verschwand − mit beiden Zeichnungen − wutentbrannt in sein Büro. Menschlich doch sehr schwach, zumal er Stunden später mit einem fein säuberlich gezeichneten Entwurf, der dem seiner Mitarbeiter stark ähnelte, mit stolz geschwellter Brust eben diesen Entwurf als seinen deklarierte.

Teamarbeit ist in der heutigen − und war auch in der damaligen − Technikwelt unumgänglich. Dazu gehört nach meiner Meinung auch, dass ich anderen Entwicklern meine Unterlagen zur Verfügung stelle, um nicht nochmal das Rad neu zu erfinden. So jedenfalls dachte ich, als ich erfuhr, dass ein Kollege schon einmal die Elektronik entwickelt hatte, an dessen ähnlichen Entwurf ich gerade angesetzt war. Also suchte ich das Labor jenes Mitarbeiters auf und trug mein Anliegen vor mit der Bitte, mir seine Schaltungsunterlagen zu zeigen.
Was dann kam, war Slapstick live: Nach einem tollkühnen Sprung stellte sich dieser Mensch mit ausgebreiteten Armen vor seinen Aktenschrank und murmelte "Nein, das ist geheim!"
Ich habe das Rad dann neu erfunden.

Koinzidenz und Kausalität − im DESY-Beschleuniger gab es im Kontrollfeld einen gesicherten Knopf, der die mit Elektronen und Positronen gefüllte Maschine auf einen Schlag leerte, der "Beam Dump". Davon wurde natürlich nur dann Gebrauch gemacht, wenn es Probleme mit der Füllung gab. Also: Weil ich auf den Knopf drücke, wird die Maschine geleert. Was aber, wenn ein Physiker auf den gesicherten Knopf zeigt und die Maschine im selben Moment geleert wird?

Elektronische Zähler wurden von einer Gruppe Physiker verwendet. Diese Zähler wurden meist bei nächtlichen Experimenten mühsam von Hand ausgelesen. Danach wurden die Werte in einen damals spektakulären Rechner eingetippt: dem Commodore PET 2001. Zu der Zeit wurde von HP ein Feldbus zum Auslesen von elektronischen Geräten verwendet, der GPIB-Bus. Dieser Bus wurde später genormt und nannte sich in den USA IEEE-488-, in Europa hingegen IEC-625-Bus. Abgesehen von den unterschiedlichen Namen wurden damals ebenso unterschiedliche Stecker verwendet. Der Steckertyp des IEC-625-Busses war äußerlich wie der RS232-Stecker, jedoch kam es zur Zerstörung der Elektronik, wenn der Bus an eine serielle RS232-Schnittstelle angeschlossen wurde.

Da der PET über einen IEEE-Anschluss verfügte, war es naheliegend, die Zähler mittels eines IEC-Chips aufzurüsten und die Elektronik entsprechend anzupassen, um die Stände auslesen zu können. Die Bedienung des Anschlusses wurde mit Commodore-BASIC-Anweisungen durchgeführt, was allerdings die byteweise Auslesung sehr langsam machte. Die Idee war daher, die BASIC-Anweisungen zu umgehen und die Bedienung des IEEE-Busses direkt mit Maschinenanweisungen zu realisieren. Dafür habe ich handcodiert, also den Hexcode direkt auf Papier geschrieben und dann in den PET übertragen. Zugegeben, das war mühsam, die damit erreichte Geschwindigkeit der Auslesung war dieser Aufwand jedoch wert. Erst mit dem Kauf einer Siemens PC100-Maschine (fast identich mit der AIM 65 von Rockwell) wurde auch Software angeschafft, darunter ein Assembler und ein Pascal-Compiler.

In der Zeit wurden viele kleine Rechnerplatinen angeboten. Diese enthielten neben einer CPU diverser Hersteller einen kleinen RAM-Arbeitsspeicher - 256 Bytes war eine gängige Größe - und als Peripherie einen hexadezimalen Tastaturblock für die Eingabe, eine hexadezimale Displayeinheit sowie diverse Schalter für unterschiedliche Steuerungen. In manchen Platinen war noch ein ROM-Festwertspeicher vorhanden, der ein "Betriebssystem" enthielt, damals "Monitor" genannt.

In der amerikanischen Zeitschrift "Popular Electronics" wurde Mitte der 1970er Jahre ein solches System beschrieben, das den Namen "ELF" hatte. Basierend auf dem Artikel bot die amerikanische Firma "Netronics" eine über Steckplätze erweiterbare Platine an, nun mit dem Namen "ELF II". Angeboten wurde auch ein sehr schweres Stahlgehäuse mit Aussparungen für eine hexadezimale Tastatur und Anzeige, einige Kippschalter und Tasten, eine LED sowie Aussparungen für fünf Erweiterungsplatinen. Ich habe mir zunächst das Grundgerät gekauft. Später kam dann eine 4kByte RAM-Erweiterung dazu (als Bausatz für $ 89,95), dann eine Platine mit einem Monitor und diskreter Hardware (Transistoren mit passiven Bauteilen). Der Monitor unterstützte eine serielle RS232-Schnittstelle mittels Software. Als externe Erweiterung wurde eine Tastatur angeboten, die ein Videosignal für ein Sichtgerät bereitstellte. Das war ja dann fast schon ein richtiger Computer. Abgerundet wurde die Maschine mit einem Editor, einem Assembler und einem BASIC-Interpreter. Diese Programme wurden auf Audio-Kasetten ausgeliefert, die über einen Kassettenrekorder eingelesen wurden - der Treiber dafür befand sich im Monitor.

Übrigens war der Befehlsvorrat des Editors dem ED von CP/M ähnlich, was mir später sehr half, dessen "kryptischen" Befehle anzuwenden.

Jede Software, sei sie noch so gut, ist "verbesserungswürdig". Allerdings werden die Quellen der Programme selten mitgeliefert. Soll also eine Äderung erfolgen, dann ist "reverse Engineering" angesagt, Stichwort "Diassembler". Da es ein solches Programm für die ELF nicht gab, musste viel Papier und Geduld her. Im Schritt 1 habe ich das entsprechende Programm Byte für Byte vom Hex-Display abgeschrieben. Im Schritt 2 habe ich dann den Hex-Code in Assembler Quelltext händisch übertragen. Damals hatte ich ruhige Nachtschichten, so dass diese Fleißarbeit die Schichten wie im Flug vergehen ließ. Wenn der Quelltext dann vorlag, hätte ich die gewünschten Äderungen mit dem Editor vorgenommen und mit dem Assembler das lauffähige Programm erzeugt. Ja, wenn genug Speicherplatz vorhanden gewesen wäre. Also musste ich auch hier mit Fleiß und Papier händisch assemblieren.

Fahrräder waren übrigens eine nützliche Anschaffung, da die Einsatzorte etwa 500m entfernt auseinanderlagen. So verstaute man seine Werkzeuge im Fahrradkorb, radelte zum nächsten Ort und stellte das Rad dort ab, so dass es auch für andere Kollegen zur Verfügung stand. Am Ende der Arbeiten war ich ziemlich erstaunt - nicht, dass immer mehr Luftpumpn fehlten, nein es wurden auch immer mehr Sättel abmontiert. Aber irgendwie waren die wohl zu gebrauchen...

Ruhe bewahren − gerade im technischen Bereich nicht unwichtig. Während einer Spätschicht an einem Freitag bemerkte ich im Gang Rauchgeruch. Der Werksdienst wusste dies bereits, wie ich telefonisch erfuhr. Daher konnte ich einem Kollegen, der aufgeregt in den Kontrollraum kam, auf die Frage "Es brennt! Was sollen wir tun?" schlicht antworten "Ruhe bewahren."
Ebenfalls mit Feuer hatte die folgende Geschichte zu tun: Während einer Nachtschicht kam aus dem Nachbarlabor ein Gastwissenschaftler aus den USA in den Kontrollraum und stammelte "It burns, it burns!" Zusammen mit meinem Schichtleiter und bewaffnet mit einem Feuerlöscher konnten wir den ″Brand″ eines Messgerätes erfolgreich bekämpfen. Als Dank gab es von dem Wissenschaftler Sekt − aus Plastikbechern, für mich ein kleiner Kulturschock.

Fehler macht natürlich jeder, allerdings geben nach meiner Erfahrung die wenigsten das auch zu. Von Leugnung bis zur Schuldzuweisung ist alles drin. Während einer Nachtschicht fragte mich ein Kollege, ob ich für ihn eine elektronische Steuerung ″aufbohren″ könnte. Nachdem ich mir die Pläne besorgt hatte, modifizierte ich die Schaltung und baute die dann entsprechend um. In der nächsten Nacht erfolgte dann der Test, bei dem ich feststellte, dass ich einen Fehler bei der Verdrahtung gemacht hatte. Als ich das dem Kollegen sagte, fing er an zu lachen und meite, dass er das Zugeben eines Fehlers in seinen vielen Berufsjahren bisher von Niemandem gehört hätte.

1985 begann ich eine neue Stelle. Zuvor hatte ich mich in erster Linie mit Hardware Entwicklung beschäftigt. Ein Kollege fragte mich, ob ich an einem Nebenjob interessiert sei - für ein Blindenterminal sollte eine Z80 CPU basierende Hardware entwickelt werden - ich sagte zu. Da eine Dokumentation gefordert war und ich mir dafür einen PC zulegen wollte, gab es zu der Zeit zwei Möglichkeiten:
  1. Kauf eines IBM-PCs, einer Textverabeitungssoftware und eines Druckers oder
  2. Kauf eines Komplettsystems basierend auf dem Schneider Joyce - einer speziellen Büromaschine, die auf einer angepassten CP/M Version basierte.
CP/M hatte immer noch einen Markt, wurde aber immer mehr von IBM-PCs mit MSDOS verdrängt. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, weil der Joyce ohne Zusatz betriebsbereit war. Nach Abschluss des Projektes begann dann mein Interesse für CP/M. Da ich die Z80-CPU gut kannte - bzw. die 8080-CPU -, habe ich zunächst, nach "Spielereien" mit BASIC, kleine Assemblerprogramme geschrieben, um die Schnittstelle zum CP/M-BDOS kennen zu lernen. Danach folgten dann etliche mehr oder weniger sinnvolle in Assembler geschriebene Programme. Angetan war ich von TURBO-Pascal, womit ebenfalls viele Programme entstanden. Während dieser Zeit informierten mich Kollegen von einem Optimierungsprogramm für TURBO-Pascal, allerdings speziell für MS-DOS. Dieses Programm optimierte
  1. die Zugriffe auf die Run-Time-Library - RTL - und
  2. den erzeugten Code.
TURBO-Pascal kopierte die komplette RTL in eine auszuführende Datei , die bei CP/M immerhin 8kByte groß war. Angeregt durch dieses Programm, habe ich die RTL disassembliert, jedoch ohne die Optimierung zu implementieren. Allerdings war dies der Anfang für ein umfangreiches "Reverse Engineering".

Das Gebäude, in dem ich ab 1985 in einem Rechenzentrum arbeitete, war noch über serielle Anschlüsse an das Rechenzentrum angeschlossen. Die einzelnen Leitungen bündelten sich an einem Verteil-Rechner (PACX), von wo die Verbindung an die verschiedenen Rechner erfolgte. Dieser Aufbau erinnerte schon an die strukturierte Verkabelung. Der PACX wurde später durch Terminalserver ersetzt, so dass die ursprünglichen seriellen Leitungen weiter verwendet werden konnten, bis diese dann im Rahmen der Koax-Verkabelung abgebaut wurden.

Im Maschinensaal standen neben vielen anderen Maschinen auch DEC VAXen. Diese Maschinen hatten einen grünen Knopf, mit dem sie rebooted werden konnte, falls der vorhandene Schlüsselschalter in der Position Unlock stand. Steht man vor einer solchen Maschine und bewegt sich dicht an ihr, so lässt sich die VAX mit der Drehung des Hinterteils leicht ausschaltem. Wohl dem Administrator, der den Schlüssel in die Position Lock gestellt hat.

Vampire-Tab, ein interessanter Begriff. Zu der Zeit war der Standard ein dickes Koax-Kabel ("Thick Wire"). Um dort eine Work Station anschließen zu können, musste an dieses Kabel ein Transceiver angebracht werden, von wo dann über ein so genanntes AUI-Kabel die Work Station versorgt wurde.

Für die Anbringung des Corpus für den Transceiver wurde eine Bohrschablone verwendet, mit deren Hilfe der Kabelmantel und die Abschirmung bis in die Seele hinein durchbohrt wurde. Nach Entfernung der Schablone wurde ein mit einer "Nadel" versehenes Oberteil auf den Corpus gesetzt und die Nadel in die Seele hinein gedreht - ähnlich wie bei einem Vampirbiss.

Das Kabel war so steif, dass schon eine geringe Verdrehung dazu führen konnte, dass die Nadel die Abschirmung berührte, so dass das zu einem Kurzschluss führte, wodurch das Netzwerk ausfiel - ein großer Nachteil dieses Bus-Systems. Da das Kabel in der Zwischendecke verlegt war, war es lustig anzusehen, wenn ein Mitarbeiter der Netzgruppe auf einer Leiter stehend, bis zu den Schultern in der Decke steckte, um durch leichtes Drehen des Transceivers den Kurzschluss zu beheben.

Spannend war die Erkenntnis, dass es zwar unterschiedliche Protokolle gab (DECNET, CDCNET), die aber auf Layer 2 wiederum gleich waren. Also: An beiden Strängen am Ende den Widerstand abmontieren und mittels einer Kupplung verbinden.

Da war die Einführung eines dünnen Koax-Kabels ("Thin-Wire") in dem Punkt schon weniger störanfällig. Allerdings war der Anschluss einer neuen Werk Station nicht mehr unterbrechungsfrei möglich, weil das Kabel aufgetrennt und gecrimpt werden musste. Eine Verbesserung war die Einführung von Ethernet-Anschluss-Dosen (EAD), an die dann mit einem Ethernet-Anschluss-Kabel (EAK) das neue Gerät nahezu unterbrechungsfrei verbunden werden konnte.

Dass allerdings schlaue Benutzer den 50Ω Abschlusswiderstand entfernten, führte natürlich zu Netzstörungen...

Die Einführung von strukturierter Verkabelung mit TP-Kabeln, die nicht nur 10 Mbps unterstützten, war dann das Optimum.

Dass das Ethernet sogar bis über 1 Gbps unterstützt, war zunächst nicht absehbar. Das erklärt die Entwicklung neuer Technologien, die sich allerdings nicht gegenüber dem Ethernet durchsetzen konnte. Zu nennen wäre da FDDI und die hochgelobte Universaltechnologie im LAN und WAN-Bereich: ATM.

Stockwerke für ein Rechenzentrum sind wegen der Energiezufuhr und der Notwendigkeit kurzer Kabel die unteren Geschosse. Als ich in dem späteren Rechenzentrum begann, war dies noch eine kleine EDV-Abteilung, dessen einziger Rechner in den Räumlichkeiten des 15. Geschosses untergebracht war. Mit der Erweiterung zu einem großen Zentrum wurde das gesamte Geschoss für Maschinenräume ausgebaut. Die Kabel, die aus dem Untergeschoss von den dort installierten Generatoren in das 15.OG geführt wurde, waren entsprechend groß.
Dann kam die Maschine − eine Cray-2. Diese konnte nicht in Einzelteilen transportiert werden, sonder nur als fertige Maschine. Die wiederum passte nicht in den Fahrstuhl. Mit großem Aufwand wurde eine Stahlkonstruktion angebracht, von der der größte Teil, eine Rampe, im Gebäude verankert wurde. Dass dazu die Fenster ausgebaut werden mussten, versteht sich von selbst. Ein kleiner Teil dieser Konstruktion war eine Plattform, die aus dem Gebäude ragte. Mit einem Kran wurde dann die Cray auf diese Plattform befördert und von dort über die Rampe in das Gebäude gezogen.

Eigenständigkeit war immer mein Bestreben, also möglichst ohne fremde Hilfe die Arbeit zu erledigen. Natürlich geht das nicht immer, weil manche Arbeiten eben doch eine oder mehrere Hilfspersonen benötigt. In diesem Fall ging es darum, einen damals gebräuchlichen Wandschrank abzumontieren. Dazu löste eine Person die Schrauben, während eine weitere Person den Schrank sicherte. Die dritte, in diesem Fall eher überflüssige Person, war unser Abteilungleiter. Auf die Frage, ob er uns helfen könne, baten wir ihn, sich unter den Schrank zu stellen und den zu halten, damit wir ihn problemlos abschrauben konnten. Als wir alle Schrauben gelöst hatten und der Schrank auf seinen Schultern ruhte, haben wir den Raum verlassen − allerdings nur kurz. Da stand er nun ziemlich hilflos, vom Schrank fast in die Knie gezwungen. Das wäre ein gutes Fotomotiv geworden...

Zerstreuter Professor - ein Vorurteil? Vielleicht, jedoch nicht im folgenden Fall: Zu der Zeit wurden Netzanschlüsse noch nach Bedarf geschaltet, d.h. es kam ein Auftrag, im Technikraum wurde der gewünschte Anschluss aufgelegt und abschließend die Verbindung im Nutzerbüro getestet. In diesem Büro gab es Bodentanks mit den Netzdosen, die gegenüber der Tür am Fenster hinter dem Schreibtisch lagen. Die Sekretärin hatte mich in das Büro gelassen und ich kniete hinter dem Schreibtisch, als ich den Schlüssel im Schloss hörte und der Professor sein Büro betrat. Ich machte auf mich aufmerksam und erklärte, was ich hier machte. "Machen Sie ruhig weiter!" kam als Antwort. Er ging an seinen Schrank, zog sich einen Mantel an, verließ das Büro und ich hörte, wie ich eigeschlossen wurde.
Zerstreut oder nicht?