Die Gedanken bei einer eigenen Erkrankung verändern sich, sie fokussieren sich auf andere Bereiche. Das Gefühl des allgegenwärtigen Damoklesschwertes, das über jedem Leben schwebt, hat sich bei mir verstärkt.
Zum Glück musste ich bisher kaum über eigene Krankheiten nachdenken. Was ich im Laufe meines Lebens erfahren habe, ist, dass sich Krankheiten ankündigen. Dies ist bei mir allerdings selten vorgekommen. Um so erschreckender war, dass sich der Krebs in keiner Weise bemerkbar gemacht hatte.
Im Laufe meines Lebens habe ich natürlich auch Erkrankte begleitet und war daher indirekt von Krankheiten betroffen. Einschneidend war die Erkrankung meiner Mutter – sie litt an Parkinson. Leider starb sie mit 48 Jahren an den indirekten Folgen dieser Krankheit. Eine Quelle für Kenntnisse von Krankheiten war Der Pschyrembel — eine unüberschaubare Beschreibung von bekannten Krankheiten.
Ein prägendes Erlebnis war Anfang der 1990er Jahre. Meine damalige Schwiegermutter war zur Kur, wo wir sie nachmittags immer zu einem Spaziergang abholten. An einem der Tage kamen wir etwas zu früh, wurden aber von den Pflegerinnen zur bestehenden Runde dazu gebeten. Die Runde bestand aus Menschen, die teilweise sehr stark behindert waren. Aber sie strahlten etwas so Positives aus, dass ich mich bald selber als Behinderter empfand. Menschen mit Behinderungen sehe ich seitdem als normal an.
Was wird sonst über Krankheiten geschrieben?
"Krankheit als Weg?" So lautet ein Buchtitel von Thorwald Dethlefsen und Ruediger Dahlke. Ich hatte das Buch schon in den 1980er Jahren gelesen und die kruden Theorien auch noch direkt von Herrn Dahlke gehört. Schon damals fand ich die Theorien absurd, was sich durch eben diesen Vortrag von Ruediger Dahlke noch verstärkte.
Eher in meine heutige Welt passt da schon das Buch "Wenn die Organe ihr Schweigen brechen und die Seele streikt: Krankheit und Gesundheit neu denken" von Annelie Keil.
Was sind die Gedanken anderer Menschen?
Nach dem Motto "Mir geht's ja noch gold" — nach einem Roman von Walter Kempowski — kann ich mich Wolfgang Bosbach anschließen, der gesagt hat: "Mir geht es subjektiv besser als objektiv, aber ich will mich nicht beklagen. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die wesentlich größere Probleme haben als ich."
Auch Elke Heidenreich sprach mir aus der Seele: "Damals fragte ich nicht: Warum ich? Eher: Oh, also ich, doch immerhin erst jetzt."