Meine Musikinteressen

Als 1948 Geborener kam ich für den echten Rock'n'Roll zu spät auf die Welt. Ich erinnere mich an die Zeit um 1956 nur daran, dass ich nicht mit meinen etwa fünf Jahre älteren Cousins mit durfte, wenn diese in Nietenhosen und pomadigem Haar loszogen.

Von der Musik bekam ich nicht viel mit, jedoch sind mir Namen noch im Gedächtnis, z.B. Ted Herold und Peter Kraus. An amerikanische Musiker kann ich mich in der Zeit nicht erinnern.

Meine Musiklaufbahn begann etwa 1963: an einem Tag der Woche wurde auf einem dänischen Radiosender die Top Ten gesendet. Das passte gerade so, dass ich nach der Schule nach Hause kam, meine Sachen in die Ecke warf, mich mit Papier und Bleistift bewaffnete und mich dann hinter die heilige Musiktruhe vor das alte Radio legte, das meine Eltern nach dm Kauf besagter Truhe noch behalten hatten. Dort hörte ich die Musik, deren Titel ich dann Woche für Woche eifrig notierte.

Ich selbst besaß damals eine Grundausstattung, die ich mir vom Geld, das ich bei meiner Konfirmation bekommen hatte, kaufte. Das war ein DUAL-Plattenspieler in Kofferform. Der Deckel beinhaltete den Lautsprecher und im Gehäse befand sich ein Mono-Röhrenverstärker.
Das Restgeld langte noch für eine LP (eine Zusammenstellung von Musikern aus dem Star Club, Hamburg. Hier erinnere ich mich noch an ein Stück von Screaming Lord Sutch: Good Golly Miss Molly - mit einem unglaublichen Schlagzeug) und eine Single (Danny and The Juniors - At The Hop).

Den Star Club habe ich später dann erst besuchen können. Unvergessen sind mir besonders zwei Gruppen: Spooky Tooth (z.B.Tobacco Road) und die Berliner Gruppe Rainbows. Diese waren bekannt geworden mit dem Titel (My Baby Baby) Balla Balla. Dies war zugegeben ein etwas einfacher Hit, weswegen die Gruppe auch ausgebuht wurde. Aber ihre weitern Songs fand ich persönlich sehr gut.

Auch wenn in den wöchentlichen Top Ten im Radio sehr viel von den Beatles und Rolling Stones gespielt wurde, fand ich die kleineren Gruppen besser. Dies waren z.B. Brian Poole and the Tremoloes (Do You Love Me?, Twist And Shout), Swinging Blue Jeans (Hippy Hippy Shake), Johnny Kidd and the Pirates (Shakin' All Over, So What)

Der Rock'n'Roll hatte zwar nicht mehr die Bedeutung wie noch einige Jahre zuvor, es wurden von den meist Britischen Gruppen aber etliche Songs gecovert. Ich erinnere mich noch, wie ein Freund und ich uns überlegten, ob wir Roll over Beethoven von den Beatles oder Chuck Berry von unserem klammen Taschengeld kaufen sollten. Wir haben uns gegen die Beatles entschieden.

Durch meinen Freund wurde ich in die "echte" Welt des R'n'R eingeführt. Neben Chuck Berry fand ich den wilden Jerry Lee Lewis sehr gut, insbesondere aber Eddie Cochran. In seinem Summertime Blues hatte es mir besonders angetan:
Well I called my congressman and he said quote
"I'd like to help you son but you're too young to vote"
Too young, das saß...

Was auch passte zur damaligen Jugendzeit war folgender Text in No Particular Place To Go von Chuck Berry:
The night was young and the moon was gold
So we both decided to take a stroll
Can you imagine the way I felt?
I couldn't unfasten her safety belt!
Der Frust des Jungen war förmlich spürbar...

Als Hamburger gab es natürlich die beste Gruppe der damaligen Zeit, The Rattles. Ein großer Schock war 1967, als Achim Reichel zur Bundeswehr eingezogen wurde! Ich erinnere mich noch an ein Konzert im Hamburger Stadtpark, wo er dennoch auftreten konnte.

Während meines Wehrdienstes − 1968 bis 1970, damals noch 18 Monate − waren die Rolling Stones sehr viel zu hören. Ich erinnere mich an das ständige Honky Tonk Woman, was damals gut passte, denn ein Großteil der 18 Monate verbrachten wir in Kneipen.
Eine andere Gruppe, die auch im Radio zu hören war, hatte es mir angetan: Creedence Clearwater Revival.
Als ich 1970 aus dem Wehrdienst entlassen wurde, war mein erster Gang − mit vom Entlassungsgeld prall gefüllter Geldbörse − in die Hamburger Innenstadt. Am Gänsemarkt stand ein fliegender Händler, der CCR-LPs verkaufte. Damals kam ich zu meinen ersten CCR-Platten, die natürlich ständig aktualisiert wurden. Ein Schock war, dass Tom Fogerty die Band verließ.
Ein noch größerer Schock war dann aber, als CCR sich 1972 auflösten.
John Fogerty produzierte allerdings weiter Alben, beginnend mit Blue Ridge Rangers 1973. In den 1980er Jahren habe ich ein Interview von ihm gesehen, wodurch mir klar wurde, warum CCR auseinander gegangen war.
Dann aber der Hammer: John Fogerty in einem Clubkonzert im Hamburger Grünspan 1997 − er hatte gerade das Album Blue Moon Swamp herausgebracht. Später trat er dann noch im Stadtpark, Hamburg, auf der Freilichtbühne auf, so z.B. 2006 .

Nach dem Wehrdienst änderte sich der Musikstil weg vom R'n'R, was mir nicht so gut gefiel. Aber Gruppen wie z.B. Led Zeppelin, Ten Years After und auch Jethro Tull fand ich hörenswert.

Während meines Studiums Anfand der 1970er Jahre begleitete mich eine Radiosendung, die ich mir nicht entgehen ließ: "Musik nach der Schule" in NDR. Dort hörte ich das erste Mal von einem Gitarristen, der durch England tourte und altbekannte R'n'R-Stücke spielte: Dave Edmunds − genau mein Ding!